Blog-Archiv
Umfrage
Braucht St.Gallen neue Müllcontainer?
Vox-Libertas (19)
Die Stimme der Freiheit. Auch die jungfreisinnigen des Kantons St.Gallen sind endlich auf den Web 2.0 Zug aufgesprungen. Verfolgen Sie Vox Libertas und Sie lesen unsere Stimme der Freiheit.
Buchpreisbindung: Kultur- und wirtschaftspolitischer Schwachsinn
Written by Christoph Graf
Am 11. März 2012 stimmt das Schweizer Stimmvolk über die Buchpreisbindung ab. Sie lesen keine Bücher und sind deshalb daran nicht interessiert? Weit gefehlt! Es geht nicht nur um Bücher; es geht vor allem auch um das Gewerbe, also auch um Arbeitsplätze.
Buchpreisbindung bedeutet, dass Verlage die Preise für Bücher festlegen dürfen. Nicht der Markt bestimmt also den Preis, sondern ein Kartell. Verlierer sind die Schweizer Konsumenten und die gesamte Buchbranche.
Die bis 1999 bestehende Buchpreisbindung wurde von der Wettbewerbskommission als unzulässig erklärt, da diese gegen die in der Verfassung verankerte Wirtschaftsfreiheit verstiess und einen unzulässigen Eingriff ineinen funktionierenden Markt bedeutete.
Das Parlament hat dann im vergangenen Frühling knapp der Wiedereinführung der Buchpreisbindung zugestimmt. Darauf hin ergriffen die Jungfreisinnigen gemeinsam mit anderen Parteien und Verbänden das Referendum.
Dies aus einem simplen Grund: Das Gesetzt ist kultur- und wirtschaftspolitischer Schwachsinn.
Die Befürworter der Buchpreisbindung behaupten, man müsse mit festgesetzten Preisen das Kulturgut Buch schützen: Mit der Wiedereinführung der Buchpreisbindung werden die Buchpreise, vor allem bei Bestsellern, wieder markant steigen. Dadurch können weniger gekaufte Bücher, sogenannte „hochstehende Literatur“ quersubventioniert werden. Das soll zu einem breiteren und kulturell „wertvolleren“ Angebot führen. Ob das so ist, wurde nie nachgewiesen. Was aber nicht bedacht wird: Wenn Bücher, oder eben Bestseller, günstig angeboten werden, werden sie auch dementsprechend mehr nachgefragt, was wiederum bedeutet, dass mehr gelesen wird. Gerade für junge Menschen ist es wichtig, dass Bücher günstig verfügbar sind. Wenn das nicht so ist, suchen sie sich einfach eine andere, bezahlbare Freizeitbeschäftigung. Sie denken jetzt, Bestseller sind kein Kulturgut? Das kann man unter Umständen behaupten. Welche Leseratte aber hat nicht mit Bestsellern das Lesen lieben gelernt? Mein erstes Buch war jedenfalls nicht Goethes Faust und trotzdem studiere ich jetzt Deutsche Literaturwissenschaften. Vielleicht wird mit der Buchpreisbindung das Angebot breiter und wertvoller; nur liest niemand mehr.
Wirtschafspolitisch ist der Unsinn der Referendumsvorlage noch eklatanter: Schweizer Gesetze gelten nur innerhalb der Landesgrenzen. Man kann also auch nach einer allfälligen Wiedereinführung der Buchpreisbindung im Ausland via Online-Shops zu bezahlbaren Preisen Bücher beziehen. Anstatt dass das lokale Gewerbe und hiesige Arbeitsplätze gestützt werden, fliesst das Geld ins Ausland ab.
Man kann den Bogen noch etwa weiter schlagen: Ungefähr 80% des Buchmarktes werden vom Ausland kontrolliert. Höhere Preise nützen also vor allem den ausländischen Grossverlagen. Und wer meint, die Autoren würden mehr Geld sehen, der täuscht sich: Nirgends ist in der Referendumsvorlage davon die Rede, wie Autoren durch die Mehreinnahme unterstütz werden sollen. Und ausländische Unternehmen werden nicht sehr viel Interesse daran zeigen, Schweizer Autoren zu fördern.
Zusammenfassend kann man sagen, dass wenn die Buchpreisbindung wieder eingeführt wird, die Buchpreise in der Schweiz steigen werden und der Konsument auf das ausländische Onlineangebote umsteigt oder sich mit E-books eindeckt. Verlierer sind letztendlich die kleinen Buchläden in den Randregionen, beispielweise im Rheintal. Weil mir das Kulturgut Buch am Herzen liegt und ich mich für das Rheintaler Gewerbe einsetze, werde ich am 11. März 2012 ein „Nein“ einwerfen.
Christoph Graf
Kantonsratskandidat FDP.Die Liberalen Rheintal,
Präsident Jungfreisinnige Kanton St.Gallen
In letzter Zeit stehen die Schweizer Banken wieder mehr im Visier der US-Justiz. Für die letzte grosse Schlagzeile sorgte die US-Anklage gegen die Sankt Galler Privatbank, Wegelin. Wegelin geriet so stark unter Druck, dass nur ein Verkauf der risikoarmen Sparten an die Raiffeisenbank als Ausweg gewählt wurde.
Nun fragen sich viele wie es mit der Schweiz und der USA beim Thema Steuerhinterziehung weitergehen soll.
Ich denke, wir müssen eine strengere Haltung gegenüber den USA haben. Wir müssen unseren Finanzplatz von externen Angriffen mehr schützen. Vor allem jetzt, wo die Schweizer Wirtschaft mit dem starken Franken zu kämpfen hat. Dass heisst nicht, dass ich die Steuerhinterziehung befürworte, im Gegenteil. Aber es kann nicht sein, dass die älteste Privatbank der Schweiz wegen einer US-Anklage von der Bildfläche verschwindet. Die Amerikaner sollten sich besser zuerst um ihre eigene Bankenprobleme kümmern und nicht dauernd auf die Schweizer Banken einhacken. Am Besten sollten sie gleich mit den Banken auf den Cayman Islands anfangen. Dort wird wahrscheinlich mindestens so viel Geld angelegt, wie auf den Schweizer Banken. Ausserdem möchte ich nicht wissen wie viele amerikanische Prominente ihr Konto auf den Cayman Islands haben und keine Steuern zahlen. Schon klar wieso sie nicht ihre eigenen Banken angreifen.
Ich wünsche mir, dass unsere Politiker und Bankiers hartnäckiger gegen die USA auftreten und den Finanzplatz Schweiz mehr in Schutz nehmen.
„Die FDP vertritt keinen Gesellschaftsliberalismus“, wurde mir in meinem Bekanntenkreis letzthin vorgeworfen, „sie vertritt ihren Wirtschaftsliberalismus, aber wenn man eine wirklich gesellschaftlich liberale Partei wählen will, dann muss man die Grünen oder die SP wählen.“
Nun ja, in einem Punkt muss man dem Statement recht geben: In der FDP mangelt es tatsächlich an Gesellschaftsliberalismus. Wie man als liberale Partei ein Adoptionsverbot für Homosexuelle oder ein Cannabisverbot gutheissen kann, ist mir als Mitglied dieser Partei bis heute unklar.
Im anderen Punkt liegt die obige Aussage aber radikal im Unrecht: Die Linken seien im Gegenteil zur FDP gesellschaftsliberal. Das ist der Punkt, den ich in Zeiten wie diesen, in denen die Grünen als „neue liberale Partei“ gepriesen werden, am heftigsten bestreiten will. Die Linken haben nichts zu tun mit gesellschaftlichem Liberalismus, im Gegenteil, sie sind eigentlich, im wahren Sinne des Wortes, stockkonservativ.

Konservatismus heisst grundsätzlich, dass man seine eigenen Wertvorstellungen auf alle ausdehnen will. Dass man anderen den eigenen Lebensstil aufzwingt, den man für sich selbst als richtig empfindet. Dass man andere mit gefühlter moralischer Überlegenheit bevormundet. Dass man seine eigenen moralischen Grundsätze mit staatlichem Zwang zur Pflicht für alle erheben will, mit Gesetzen, Artikeln und Verboten.
So sind es denn auch die Linken, die sich europaweit für Verbote einsetzen, die das Individuum bevormunden, bemuttern und beschränken. Hier einige Beispiele:
- Verbot von Plastiktüten
- Verbot von Motorrollern
- Verbot von Glühbirnen
- Verbot von Billigflügen
- Verbot von Heizpilzen
- Rauchverbot
- Verbot von nicht energieeffizienten Kühlschränken
- Verbot von getrennt geschlechtlichen Toiletten
- Verbot von Werbung für Kleinkredite
- Verbot von Silikonimplantaten
- Verbot von Waffen aller Art
- Verbot von Handynutzung in Kulturveranstaltungen
- Verbot der Gentechnik
- Verbot der Stammzellforschung
- Verbot von Computerspielen
- Verbot von Nachtflügen
- Verbot der Stand-By-Funktion von Elektrogeräten
- Verbot von Werbung für Süssigkeiten
- Verbot von Solarien für Jugendliche
- Verbot von Fleisch an einem Tag in Kinderkrippen
- Verbot von Werbung für Alkohol
- Verbot von Rauchen am Steuer
- Verbot von Schnäppchen
- Verbot von Fahrzeugen mit hohem Benzinverbrauch
- Verbot von Lichtverschmutzung
- Verbot von Fahren am Sonntag
- usw.
Überall geht es darum, dem Bürger zu seinem eigenen Glück zu verhelfen, dass er aber anscheinend ohne Verbot nicht einsehe. Überall geht es darum, den Bürger mit Zwang davon abzuhalten, sich selbst zu schaden, ungesunde Dinge zu tun, unökologisch und unsozial zu leben. Ein Deckmantel aus ökosozialen Phrasen verdeckt, was das Ganze eigentlich ist: Eine Rundum-Bevormundung, eine Volkserziehung zu ökologischerem, gesunderem, moralischerem Leben und eine Abnahme von eigenen Entscheidungen. So wird die Schweiz immer stärker zu einer staatlichen Besserungsanstalt.
Ohne Zweifel mag es gesund sein, an einem Tag in der Woche auf Fleisch zu verzichten. Ohne Zweifel mögen Solarien nicht besonders gesund sein. Und ohne Zweifel mögen Offroader nicht gut für die Umwelt sein. Aber schaden der Fleischesser, der Solarienbesucher und der Offroaderfahrer in irgendeiner Weise der Gesellschaft?
Die Linken würden hier argumentieren, der Fleischesser schade durch seinen Fleischkonsum, der Offroaderfahrer durch sein Auto der Umwelt, was schlussendlich auf die Gemeinschaft zurückfalle. Durchaus richtig. Aber schadet der Fleischesser der Gemeinschaft in einem Masse, das einen Eingriff in sein Privatleben rechtfertigt, das legitimiert vorzuschreiben, welche Substanzen er konsumieren soll und welche nicht? Und schadet der Offroaderfahrer der Gemeinschaft in einem Masse, das rechtfertigt, ihm zu befehlen, welche Autos er kaufen soll und welche nicht?
Nein, das tut weder der Fleischesser noch der Offroaderfahrer. Wenn man Fleisch isst, bricht nicht die Welt zusammen. Wenn man mit seinem Offroader eine Runde dreht, ebenso wenig. Deshalb vertreten Liberale das Verhältnismässigkeitsprinzip. Dieses besagt, dass ein schwerer Verstoss gegen das Gemeinwohl begangen werden muss, damit der Staat das Individuum einschränken kann.

Die Verbote der Grünen verhindern hingegen nie schwere Vergehen. Entweder verbieten sie Dinge, die dem Individuum nur selbst oder der Gesellschaft in einem winzig kleinen Masse schaden. So winzig, dass sie einen Eingriff ins Privatleben, moralisierende Bevormundung und staatliche Umerziehung keineswegs rechtfertigen. Wer das Gemeinwohl zu sehr über das Wohl des Einzelnen stellt, wird am Ende keines von beiden erreichen. Der Staat darf nicht zum „Tugendstaat“ werden.
Was passiert, wenn der Staat seine Bürger besonders tugendhaft leben lassen will, hat Europa in der Französischen Revolution erfahren. Irgendwann gab es einen Mann namens Robespierre, der „die Tugend als grösstes Ziel des Staates“ sah. Und er war so besessen von der Tugendhaftigkeit des Volkes, dass er irgendwann begann, alle, die sich nicht tugendhaft verhielten, zu köpfen. Die Moral von der Geschicht: Auch gute Grundsätze führen in die Tyrannei, wenn man sie mit staatlichem Zwang durchsetzen will.
Deshalb hat eine Regierung seine Bürger nicht umzuerziehen, nicht moralische Grundsätze vorzuschreiben. Die Bemutterung durch den Staat führt im Gegenteil zu Trägheit und Verminderung jener Eigeninitiative, die dieses Land gross gemacht hat. Der Staat soll nicht als Richter der Ethik das Leben der Menschen bis in den hintersten Winkel durchregulieren. Er soll den Menschen Freiraum lassen, um ihre eigenen Werte zu finden. Und sie nicht moralisierend bevormunden, sei das mit einem traditionellen Konservatismus oder einem grünen Konservatismus.
SP und Grüne sind in Wahrheit etwa so weit entfernt von gesellschaftlichem Liberalismus wie die CVP. Für die wirklich Liberalen, die eingesehen haben, dass ein Staat nicht zum moralischen Zeigefinger werden darf, gibt es nur eine Partei, und das ist die FDP.
Simon Scherrer ist Mitglied des Vorstandes der Jungfreisinnigen Kanton St. Gallen und des Vorstandes der Jungfreisinnigen Region St. Gallen-Gossau.
Ist der Bürger gekauft und kann nicht mehr selbst entscheiden?
Written by Christoph Graf
„Gekaufter Politik einen Denkzettel verpassen“: Das stand auf all den riesigen Post-its, welche die Juso in einer Aktion auf den Wahlplakaten der bürgerlichen Parteien angebracht haben.
Die FDP.Die Liberalen St.Gallen hat im Anschluss an besagte Aktion Strafklage gegen die Verantwortlichen eingereicht. Zu recht! Wer sich nicht an die Regeln und Gesetzte hält, muss auch die Konsequenzen akzeptieren. Die Reaktion der Juso war dann natürlich wieder bezeichnend: Anstatt auf die Vorwürfe zu reagieren, habe sie sich darüber beklagt, dass man sich nicht inhaltlich mit ihrer Forderung auseinandergesetzt hat.
Keinen direkten Einfluss auf Entscheid
Diese Gelegenheit möchte ich nutzen. Die Forderung nach mehr Transparenz bei der Parteien- und Kampagnen Finanzierung ist schon alt. Vor allem die Linken fordern die Offenlegung der Finanzen; da sie offenbar der Meinung sind, die bürgerliche Politik sei gekauft. Gerade aber im Kanton St.Gallen gibt die SP sogar mehr Geld aus als beispielsweise die FDP. Zudem ist es wissenschaftlich höchst umstritten, ob die Finanzierung einen direkten Einfluss auf den Wahlentscheid der Bürger oder Abstimmungsresultate hat: Vielfach wird unter Politikwissenschaftlern die Ansicht vertreten, dass grössere Finanzen vor allem bei Vorlagen relevant sind, bei der Pro- und Contra-Seite fast gleich stark sind und es um wenige Prozente geht.
Der Bürger ist mündig!
Seit Jahren jedenfalls wird über diese Frage gestritten. Die Forderung ist ja eigentlich berechtig: Der Bürger hat in unserem freiheitlichen, liberalen Staat grundsätzlich das Recht, möglichst alle Informationen zu erhalten, die für eine Wahl- oder Abstimmungsentscheid relevant sein könnten. Zudem bin ich aber der Überzeugung, dass die Bürgerin und der Bürger in unserer Schweiz aber auch genug mündig sind, um eine wohlüberlegte Entscheidung zu treffen! Die Linken wollen der Bürgerin und dem Bürger die Fähigkeit absprechen, selbst zu entscheiden, was für ihn gut ist. Vermessenerweise haben die Linken das Gefühl, der Erfolg der bürgerlichen Parteien beruhe auf irgendwelchen ominösen Finanzströmen und nicht auf inhaltlichen Gehalt der Vorlagen.
Transparenz: Aber wie?
Nun würde ich von den Leuten, die mehr Transparenz fordern, auch gerne einmal hören, wie sie sich denn diese Transparenz vorstellen?
Die Meinung, dass mehr Transparenz so einfach möglich sein soll, beruht darauf, dass diese Leute offenbar unser Wahl- und Abstimmungssystem nicht verstehen. Anders als in anderen Ländern besteht in der Schweiz die Möglichkeit, am Wahltag den Wahl- oder Abstimmungszettel eine Wahlurne zu werfen; andererseits kann man seine Stimme brieflich abgeben. Die Abgabe der Stimmen kann also während ca. 4 Wochen geschehen. Jetzt stellt sich also die Frage, wann denn jetzt die Finanzen offengelegt werden sollen: Am Tag, an dem die Wahlzettel an die Haushalte verschickt werden? Zwei Wochen vor der Wahl? Wer entscheidet das? Der Wahlkampf der Parteien würde sich an diese Gegebenheiten anpassen. Transparenzgewinn: Null.
Zudem gäbe es zu viele Schlupflöcher. Die politischen Akteure würden Mittel und Wege finden, finanzielle Zuwendungen doch wieder zu verbergen, wenn sie das wollten. Der Nutzen dieser Pseudo-Transparenz wäre gleich null; zudem würde wieder mehr kostspielige Bürokratie geschaffen werden, was dann auch weniger etablierten Parteien eine Kandidatur erschweren könnte.
Geübte Demokraten
Ein weiteres Argument ist, dass die Bürgerinnen und Bürger ca. alle 3 Monate für eine oder mehrere Vorlagen an die Urne gerufen werden. Sie haben also, im Gegensatz zu den meisten Demokratien, immer wieder die Gelegenheit, am politischen Prozess teilzunehmen und haben auch die Kompetenz, verschiedene Positionen abzuwägen. Ob die Finanzierung überhaupt solch einen grossen Einfluss auf den Entscheid hat, habe ich oben schon bezweifelt.
Brauchbare Vorschläge lassen auf sich warten
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Bürgerinnen und Bürger in unserer Schweiz mündig sind, und also sich auch bei grossflächigen und aggressiven Kampagnen trotzdem eine eigene Meinung bilden können. Ein wenig mehr Transparenz wäre trotzdem wünschenswert; brauchbare Vorschläge, für wirklich mehr Transparenz, blieben bis jetzt aus, um nicht zu sagen, dass sich die Forderung nach mehr Transparenz mit unserem Wahl- und Abstimmungssystem nicht verträgt.

Wir Jungfreisinnigen St.Gallen haben den Wahlkampf mit dem Thema Sesselkleber vollends lanciert. Darin fordern wir, dass Bundespolitiker ihre Eigenverantwortung wahrnehmen und nach zwölf Jahren im Amt neuen Kräften Platz machen.
Unser Parlament soll aus einem guten Mix aus allen Interessengruppen, verschiedenen Alterskategorien und gemässigten Politikern bestehen. Dies ist nur gewährleistet, wenn ein Teil der politischen Ämter nach einer Legislaturperiode erneuert wird.
Die Gefahr ist bekanntlich gross, dass sich mit der Zeit eine gewisse Gleichgültigkeit einstellt und die Politiker den Fokus auf die wirklich wichtigen Sachen verlieren. Ausserdem können persönliche Differenzen zwischen den Politikern nötige Reformen blockieren.
Mit unserer Forderung sollen Politiker während ihrer Amtsperiode den Anreiz haben, sich möglichst gut zu verkaufen, damit sie später in der Wirtschaft wieder einen Platz finden. Ein Politiker, der seine Zeit absitzt, hat diese Motivation nicht. So ist auch der Druck höher, die angefangenen Geschäfte abzuschliessen und sein Amt so zu verlassen, dass ein Nachfolger die Geschäfte problemlos übernehmen kann.
Wir wollen keine Quote oder eine Amtszeitbeschränkung. Das wäre nicht liberal. Wir fordern auch nicht, dass nur Junge ins Parlament kommen. Das wäre töricht. Wir wollen einen guten Mix aus Jung und Alt, aus Erfahrung und frischen Ideen. Das ist pragmatisch und sinnvoll.
Unterstützen Sie deshalb unsere Forderung nach der Eigenverantwortung unserer Politiker.
Obligatorisches Fach Wirtschaft und Recht
Written by Andreas Schwarz
Vielfach konnte man dieser Tage – zu letzt prominent in einem NZZ Artikel vom 28.März („Ein Mauerblümchen Namens Ökonomie") - über die schulische Verankerung des Themas Wirtschaft und Geld in der Presse lesen. Nach wie vor ist nämlich dieses überaus wichtige Thema in den Schweizer Lehrplänen inexistent. Diese fundamentale schulische Lücke wurde von den Jungfreisinnigen Werdenberg-Sarganserland bereits Ende 2007 erkannt und in Form einer Petition zu Beginn 2008 lanciert.
Leider mangelte es zu dieser Zeit – bis auf vereinzeltes persönliches Wohlwollen - selbst in der Mutterpartei an der nötigen Unterstützung, um diese Petition zum Erfolg zu bringen. Was damals schon als Bedürfnis von uns Jungen formuliert wurde, kann nun mittels einer WEF Studie bestätigt werden: „…dass schülerseitig ausreichend Interesse besteht, zeigt beispielsweise eine Internetumfrage, deren statistische Auswertung bei einer WEF-Veranstaltung Ende Januar in Davos vorgestellt wurde. 70 Prozent aller antwortenden Schüler (310 Teilnehmer aus der Schweiz und aus Deutschland, Durchschnittsalter 15,4 Jahre) votierten für mehr Wirtschaftsunterricht, 56 Prozent sprachen sich gar für Wirtschaft in Form eines eigenständigen Schulfachs aus. Lediglich 27 Prozent stuften ihr Ökonomiewissen als hoch ein. (NZZ, 28.3.11)"
Um die Jugendlichen besser auf die Aufgaben des Erwachsenseins vorzubereiten soll deshalb auf schulischem Wege das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge gefördert und verbessert werden.
Viele Jungendliche und junge Erwachsene bekunden Mühe im Umgang mit ihren finanziellen Mitteln. Steigende Schulden, Konsumkredite, gar Privatkonkurse sind die Folge. Mit einer genügend frühen schulischen Auseinandersetzung mit Buchhaltung, grundlegenden privatrechtlichen Sachverhalten wie dem Obligationenrecht und einer stufengerechten Einführung ins Bundesstaatsrecht, sollen bei den Jugendlichen ab der ersten Oberstufe die staatsbürgerliche Verantwortung geweckt und die Finanzkompetenz gefördert werden. So soll den Jugendlichen in ihrem, nach der Familie wichtigstem Umfeld, ein noch besseres Rüstzeug für den weiteren Verlauf ihrer Bildungs-, Arbeits- und Familienkarriere mitgegeben werden. Zwar enthält der Lehrplan SG 97 für die Oberstufe unter „Fachbereich Mensch und Umwelt, Teilbereich Räume und Zeiten" Elemente, welche auch im neuen Fach vermittelt werden sollen, erklärt diese (Bsp: Bundesstaat, schweizerischer Nationalstaat) aber lediglich als „mögliche Inhalte". Dies ist klar zu wenig.
Die Jungfreisinnigen der Sektion Werdenberg –
Sarganserland würden sich deshalb freuen, wenn wir neue Verbündete finden würden, um die Petition zur Einführung eines obligatorischen Fächern Wirtschaft und Recht neu lancieren zu können.
„Hilfe, wir leben länger.“, sagt die AHV und krepiert.
Written by Joël Krapf
Seit dem 1. Januar 1948 erfreuen sich die Schweizer der AHV. Der Grundsatz damals war, dass jene Pechvögel, die länger als der Durchschnitt leben, eine Rente für ihre letzten Lebensjahre erhalten. Seit dieser Zeit ist die durchschnittliche Lebenserwartung der Männer von 66.36 auf 77.22 (2003) und jene der Frauen von 70.85 auf 82.82 (2003) gestiegen.
Man muss kein Mathematiker sein, um ausrechnen zu können, dass diese zusätzlichen 10 Jahre AHV-Bezug das System defizitär machen.
Die AHV
Rhetorische Frage: Würden Sie einem Freund Geld leihen, der mehr ausgibt, als er verdient?
Warum tun Sie es dann?
Oder noch schlimmer, warum vertrauen Sie Ihr Geld einer defizitären Staatsinstitution an?
Einer was?
Richtig.
Ihre AHV-Beiträge begleichen Sie stets mit dem Vertrauen, dass Ihnen der Staat das Geld im Falle einer Pensionierung rückerstattet.
Sie vertrauen dem Staat aber gar nicht?
Völlig zu Recht.
Einfache Kausalkette
Evident beim letzten Abschnitt: Das Thema AHV wirft Fragen auf. Ist fragwürdig. Ist chaotisch. Und hat einen leicht strukturlosen Beigeschmack. Doch davon dürfen wir uns nicht ablenken lassen. Denn der Kern des Problems ist ebenso evident: Die AHV ist defizitär, weil wir länger im Ruhestand leben, als damals. Dieser demographische Wandel führt dazu, dass auf einen Rentner immer weniger Erwerbstätige kommen. Das wiederum bedeutet, dass immer mehr Personen AHV-Beiträge beziehen, während immer weniger Beiträge leisten. Und dies ist schlussendlich der Grund, warum die AHV in Zukunft immer mehr Schulden machen wird.
Irgendwie verständlich. Irgendwie logisch. Und irgendwie haarsträubend, dass so viele Politiker diese einfache Kausalkette nicht verstehen (wollen) und als Lösung chronisch vorschlagen, neue Steuern zu erheben, um die falsch strukturierte AHV zu retten.
Ideologie oder nicht Ideologie. Ist das die Frage?
Natürlich kann man die (griechische) Ideologie vertreten, dass der Mensch möglichst früh in Pension gehen soll. In diesem Falle will ich gar nicht streiten. Wer es richtig findet, als Erwerbstätiger immer mehr von seinem Lohn abzutreten, damit er dann möglichst lange als Rentner das Leben ausklingen lassen kann, der soll für diese Meinung kämpfen…
Doch ich sehe es anders. Ich glaube nicht, dass der Mensch fast ein Drittel seines Lebens mit Nichts tun verbringen kann und will – es wird ihm schlicht zu langweilig. Ebenso bezweifle ich, dass die Mehrheit der Bevölkerung steigende Lohnabzüge tolerieren wird und will – es wird ihr schlicht zu viel.
Und deshalb wage ich zu behaupten, dass die stetige (Quer-)Subventionierung der AHV nicht die Lösung für unser Land – für unsere Bevölkerung – ist.
Die Erbschaftssteuer wäre notwendig
Written by Joël Krapf
Die Idee kommt eigentlich von der EVP, doch wahrgenommen wird das Ganze unter dem Label SP. Die Rede ist von der kürzlich lancierten Erbschaftssteuer-Initiative. Und obwohl nebst den genannten Protagonisten weitere Gegner bürgerlich-liberaler Ideologie die Initiative unterstützen, darf man für einmal einen Vorschlag aus diesem Lager nicht leichtfertig vom Tisch wischen.
Im Prinzip gut
Beginnen wir beim Kern der Initiative: Die Wiedereinführung der Erbschaftssteuer.
Unabhängig von der aktuellen Initiative kann und muss man sagen, dass es eine Schweiz ohne Erbschaftssteuer nicht mehr lange geben darf. Und zwar aus folgenden Gründen:
- Bei einer Erbschaftssteuer werden weder Arbeit noch Leistung besteuert. Würde man das Steuersystem nach heutig geltenden Normen neu erfinden, wäre die Erbschaftssteuer eine der ersten Steuern, die man erheben würde. Vor der Mehrwertsteuer. Vor der Vermögenssteuer. Und mit Sicherheit vor der Einkommenssteuer.
- Lieber Tote als Lebende besteuern. Ja das klingt ein wenig pietätlos. Und wahrscheinlich ist es das auch. Aber hauptsächlich ist es die Wahrheit. Wer lebt, hat Geld in der Regel nötiger, als wer sein Leben bereits gelebt hat. Natürlich muss als Umkehrschluss die Einkommenssteuer der Lebenden gesenkt werden.
- Ein Land steht und fällt mit dem Mittelstand.Die Reichen haben zu viel Geld, um es ausgeben zu können. Die Armen haben zu wenig Geld, um es ausgeben zu können. Beides schadet selbsterklärend dem Konsum und damit der Volkswirtschaft. Die Prosperität eines Landes hängt deshalb am Zipfel des Mittelstands. Die Erbschaftssteuer ist eine der wenigen Steuer, die dieser gefährdeten Spezies nicht ans letzte Geld will, sondern – richtig eingesetzt – den Mittelstand erheblich stützen (oder gar fördern) kann.
In der Umsetzung suboptimal
Mit der aktuellen Initiative geraten wir jedoch in die Kalamität, dass die Mittel dieser zu Recht erhobenen Steuer falsch verwendet werden würden. So sieht der Initiativtext vor, dass 2/3 der 3 Milliarden Franken in die falsch strukturierte AHV fliessen und das restliche Drittel den Kantonen zukommt. Um den Mittelstand effektiv zu entlasten, müsste die Steuerlast jedoch direkt dieser (noch lebenden) Gesellschaftsschicht gemindert werden. Und dies ist - entgegen der Proklamation des Initiativkomitees - nicht gegeben, wenn man den Grossteil des Geldes in eine Institution steckt, die nach heutiger Struktur nicht selbsttragend ist und laufend Verluste schreibt.
Es bleibt also nur zu hoffen, dass die Parlamentarier die AHV umstrukturiert haben, bevor die Erbschaftssteuer-Initiative vors Volk kommt. Ansonsten wird diese dringend notwendige Steuerreform leider keine Chance auf Annahme haben.
Leider.
Wie tut es der Seele gut, wenn die arg gebeutelte FDP in einer aktuellen Statistik an erster Stelle zu finden ist. Diese neue Umfrage (siehe Bild) besagt, dass 29% der Bevölkerung die FDP als kompetenteste Partei in wirtschaftlichen Fragen sehen. Deutlich dahinter steht die antikapitalistische SP auf Platz zwei. Dem kritischen Auge muss aber auffallen: Das Status Quo kann die FDP als selbst- und fremdernannte Wirtschaftspartei nicht zufrieden stimmen.
Wirtschaft ist das Steckenpferd der FDP
Kaum jemand würde bestreiten, dass das Steckenpferd der FDP hauptsächlich im wirtschaftspolitischen Bereich zu finden ist. Die Ansicht der Bevölkerung geht meist noch weiter und tendiert dazu, die FDP lediglich als Wirtschaftspartei zu sehen, die bei anderen Themen kaum eine eigene Meinung vertritt.
Nimmt man nun dieses plakative Gesellschaftsbild für die Interpretation der erwähnten Statistik hinzu, dann konstatiert man ernüchternd, dass 7 von 10 Personen der FDP Inkompetenz in ihrem Hauptgebiet unterstellen. Was in den Alltag umgemünzt in etwa dasselbe wäre, wie wenn nur jeder dritte Dorfbewohner dem Dorfmetzger zutraut, der beste Metzger im Dorf zu sein.
Die Relativierung beruhigt nicht…
Natürlich wäre es jeglicher Realität fern, von der FDP in dieser Statistik nahezu 100% zu erwarten. Zum Beispiel wären jene 17% der SP nie zu gewinnen, da diese Leute an die antikapitalistische Ideologie des Kommunismus glauben. Diese Gruppe vom freien Markt zu überzeugen ist nicht Aufgabe der FDP, sondern der Bildung.
Auffallend ist jedoch, dass 28% - also ebenfalls ein Drittel der Bevölkerung - keine Hoffnung in die Politik haben. Und dass insbesondere die Partei mit der höchsten Wirtschaftskompetenz diese Gruppe enttäuscht hat, liegt auf der Hand. Doch die FDP kann dies (wieder) ändern. Insbesondere im momentanen politischen Klima.
…doch die Lage ist aussichtsreich
Denn - ohne an dieser Stelle pietätlos zu werden - die Situation könnte für die FDP kaum besser sein. Die dramatische Schuldenlage vieler Staaten auf der Welt hat die Katastrophe in Japan aus dem Fokus der Bevölkerung gedrängt und schon lange nicht mehr war man in der Schweiz empfänglicher für die Anliegen der FDP: Weniger Schulden, weniger Steuern und mehr Geld für den Mittelstand. Aus FDP-Sicht muss man wahrlich dankbar für die letzten Tage sein, da das bis anhin kaum beachtete Thema „Wirtschaft“ nun das erlebt, was der Welt abgeht: Hochkonjunktur.
Was aber (noch) fehlt – und das zeigt die Umfrage deutlich – ist, dass eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung dieses dringende Thema mit einer kompetenten FDP verbindet.
Wahlstrategie muss nun gründlich überdacht werden!
Diese positiv konnotierte Assoziation gelingt nur, wenn eine Mehrheit der Bevölkerung die FDP in Wirtschaftsfragen in einer ähnlichen Rolle sieht, wie die SVP beim Thema Migration – als einzige Partei, die die unangenehmen Probleme anzusprechen und zu lösen wagt. Dafür muss die FDP jedoch die Wahlstrategie vom Januar gründlich hinterfragen.
Ist es (noch) erfolgsversprechend, die Bürokratieinitiative als Zugspferd vor den Wahlwagen zu spannen, obwohl die Bevölkerung diese Thematik als wenig bedeutend wahrnimmt?
Ist es (noch) erfolgsversprechend, mit trockenen und einfallslosen „XY – aus Liebe zur Schweiz“ Plakaten die Gegend zuzukleistern?
Ist es (noch) erfolgsversprechend, auf allen Kommunikationskanälen auf Emotionen zu verzichten?
Oder muss man - rhetorisch gefragt - nun eher ganz auf die Karte Schuldenkrise setzen und der Bevölkerung mit vorbildlicher Kommunikation aufzeigen, dass das Problem „Wirtschaft“ nicht nur dringend ist, sondern auch nur von der FDP adäquat gelöst wird?
Replik auf den Gastbeitrag "liberale Abzocker"
Written by Joël Krapf
Ich danke für die kritische Analyse des anonymen Politikbeobachters im Beitrag "liberale Abzocker" und versuche diese an dieser Stelle mit einer Replik gebührend zu würdigen:
Die Abhandlung dessen, warum das liberale Gedankengut im Moment in der Bevölkerung derart in Missgunst geraten ist, ist meiner Meinung nach bereits sehr ausgereift. Dennoch muss man auch einige Punkte dagegenhaltend ergänzen:
Grundsätzlich gilt:
Eine Boniregelung steht nicht diametral zu einer liberalen Ideologie. Boni sind lediglich variable Lohnvergütungen und werden grundsätzlich wie fixe Löhne vom Markt bestimmt. Wo der Arbeitsmarkt funktioniert, sind solche Vergütungen unter liberalen Prinzipien legitim. Wenn die Arbeit eines Managers auf dem Arbeitsmarkt ein Vielfaches von anderen Arbeitsleistungen wert ist, dann muss man dies so akzeptieren und/oder die gleiche Arbeit anbieten. Geht man also von einem funktionierenden Markt aus, ist die momentane Vergütungsdebatte eine Polemik, die von Neid und Missgunst getrieben ist. Als Gesellschaft, die von der Suboptimalität des Kommunismus‘ gelernt hat, haben wir in diesem Falle keinen Grund, das Leistungsprinzip und die Grundsätze der Eigenverantwortung über Bord zu werfen.
Praxis vs. Theorie
Unabhängig von der Höhe der Vergütungen muss man nun aber deren marktwirtschaftliche Legitimation hinterfragen. Kann der Verwaltungsrat also zum Beispiel den eigenen Lohn eigenhändig festlegen, dann widerspricht dies dem Prinzip des freien Marktes. Diese Problematik besteht zurzeit faktisch und muss deshalb korrigiert werden. Hauptansatzpunkt hier ist die Stärkung der Aktionärsrechte. Da die Aktionäre die Eigentümer der Unternehmung sind, soll ihnen grundsätzlich auch das volle (faktische) Recht zukommen, über die Vergütung der Belegschaft abzustimmen.
Der Sonderfall der systemrelevanten Unternehmen
Natürlich haben wir nun bei der UBS das Problem, dass das Unternehmen aufgrund ihres Umsatzes und ihrer Funktion als Finanzintermediär für die Schweizer Volkswirtschaft existenziell ist. In solchen Fällen muss der Staat im Sinne eines Nachwächters für (volks-)wirtschaftliche Sicherheit sorgen. Ob die Eigenkapitalerhöhung hierfür ein adäquates Mittel ist, bezweifle ich allerdings. Die Aktionäre sind nämlich kaum bereit ihr Geld für weniger Rendite anzulegen. Somit muss die Bank mit weniger Fremdmitteln gleich viel Rendite erwirtschaften, was wiederum nur durch höhere Risiken möglich ist. Eine Eigenkapitalerhöhungsregelung könnte somit in Anbetracht der ursprünglichen Absichten ein Schuss in den Ofen werden.
Andere Ansätze wie eine Bonussteuer, Bonuszahlungen, die den (Investment-) Banker zu nachhaltigerer Gewinnerwirtschaftung verleiten oder Holdingstrukturen, setzen deshalb eher am richtigen Punkt an.
Die Rolle der FDP in dieser Polemik
Generell stellt sich die Frage: Soll in einer Demokratie die Politik jeweils einhellig das umsetzen, was die Bevölkerung am lautesten fordert, oder besteht nicht eher die Notwendigkeit, dass die Volksvertreter komplexe Probleme kritisch analysieren, um umfassendere und für das gesellschaftliche Wohl „bessere“ Lösungen zu finden?
In unserem Fall müssten wir uns also fragen, ob die Politik das laute Gebrüll der Bevölkerung schnellstmöglich erhören soll, oder ob die Abgeordneten der Bevölkerung in Ruhe an einer problemorientierten Lösung arbeiten sollen. Letzteres versucht die FDP, indem sie das wahre Problem - hier die Systemrelevanz weniger Unternehmen - gezielt zu lösen versucht. Dass sie dabei in Zeiten der Boni-Hysterie in einer breiten Bevölkerungsschicht nicht gerade gut dasteht, versteht sich von selbst. Trotzdem bin ich froh, dass es noch Parteien gibt, die den Mut haben, Wege zu gehen und Entscheidungen zu treffen, die die Bevölkerung NOCH nicht versteht. Dies ist wahrer Freisinn – wenn auch für die FDP per se leider womöglich nicht der erfolgreichste.
Zum Abschluss ebenfalls eine Replik von Michael Kummer, Vorstand FDP St.Gallen:
"Der Beitrag enthält zwar durchaus gute und wahre Elemente. Trotzdem verlangt er nach einigen Anmerkungen. Vorweg: Es waren nicht primär die Banken, die dem Bild der FDP geschadet haben, sondern der Niedergang der Swissair. Die Banken haben nicht nur mit “immer waghalsigeren Geschäften” ungeheure Gewinne gemacht, sondern auch mit Geschäften, an denen in keiner Hinsicht etwas auszusetzen ist. Die Banken haben diese „ungeheuren Gewinne“ nicht nur „grosszügig an ihre Chefs“ weitergegeben. Es ist bekannt, dass Bankangestellte generell gut bezahlt sind, also ebenfalls von den Gewinnen profitieren durften. Sicherlich haben auch die Anleger profitiert. Auch die Aktionäre, die ihr Kapital zur Verfügung gestellt haben, durften profitieren. Schliesslich sind „ungeheure Gewinne“ immer auch mit „ungeheuren Steuern“ verbunden. Die Banken haben also auch grosse Steuersummen abgeliefert. Und davon hat jeder Steuerzahler profitiert. Nicht nur derjenige, der bei einer dieser Grossbanken sein Geld als Sparer angelegt oder als Aktionär investiert hat, durfte also profitieren, sondern jeder Steuerzahler, auch wenn er mit der Bank überhaupt nichts zu tun hatte. Das Bild, dass nur ein paar wenige Chefs diese „ungeheuren Gewinne“ abgesahnt haben, kann so nicht stehen gelassen werden. Richtig, es läuft dem liberalen Gedankengut grundsätzlich diametral entgegen, wenn der Staat ein Unternehmen retten muss. Nur, was wären die Folgen, hätte der Staat die Rettung unterlassen? Vielleicht hat der Staat als Regulator versagt? ;) Der Satz, Gewinne werden privatisiert, Verluste kollektiviert, muss insofern relativ betrachtet werden, als man sich die Frage stellen muss, wie hoch die (volkswirtschaftlichen) Verluste gewesen wären, hätte der Staat nicht eingegriffen. Vielleicht wären dann mittel- und langfristig die kollektivierten Verluste noch höher gewesen. Der Staat muss immer Vor- und Nachteile aller verfügbaren Möglichkeiten abwägen. Die Minder-Abzockerinitiative ist fehl am Platz. Auch das widerstrebt liberalem Gedankengut. Die geplante Too-big-to-fail-Regulierung ist zwar ein guter Ansatz und vermag wohl grössere Katastrophen künftig zu vermeiden, zumindest deutlich abzuschwächen. Aber sind neue Regulierungen liberal? Was also tun, wenn offenbar immer ein Faktor besteht, der nicht liberal ist. Die FDP steht nicht nur für Liberalismus, sondern auch für Eigenverantwortung. An dieser fehlte es gewissen Bankern offenbar. Im Beitrag wird gefolgert, wenn liberal heisse, auf Teufel komm raus in die eigene Tasche zu wirtschaften, dann dürfe man nicht mehr liberal wählen. Diese Schlussfolgerung kann so nicht gezogen werden. Liberal ist, wenn man den Unternehmen, auch den Banken, die grösstmögliche Freiheit lässt, ihnen also nicht vorschreibt, wie hoch die Löhne und Boni sein dürfen. Die Unternehmen sollen in Eigenverantwortung handeln. Nicht liberal ist, über zu hohe Boni zu schimpfen, gleichzeitig aber die Steuergelder entgegenzunehmen. Auch nicht liberal ist, dass der Staat ein Unternehmen rettet. Aber: Der Staat muss die Rahmenbedingungen für eine funktionierende Marktwirtschaft schaffen. Er muss dafür sorgen, dass solche Katastrophen bei systemrelevanten Banken nicht geschehen können. Hier ist der geplante TBTF-Ansatz mit dem Swiss-Finish kein schlechter Ansatz. Es fehlte offenbar an Eigenverantwortung bei gewissen Bankern. Trotzdem soll der Staat nicht Entschädigungen vorschreiben oder begrenzen, aber er soll sich selbst schützen, indem er Konsequenzen für gewisse (verantwortungslosen)Verhaltenswiesen bzw. Situationen, die dadurch entstehen, aufzeigt, wie es die TBTF-Regelung vorsieht. Es erscheint mir liberaler, dem Unternehmen seine Freiheit zu lassen, es aber zu bestrafen, wenn es unverantwortlich handelt. Nicht die hohen Boni selbst haben zur Krise geführt, die Ursache ist etwas komplexer. Tatsächlich muss man vielleicht Seilschaften kappen. Letztlich muss man aber doch bei den Grundwerten bleiben. Liberalismus ist die maximale Abwesenheit staatlicher Regulierungen. Von Entlöhnungsvorschriften ist deshalb abzusehen. Aber: Fehlende Eigenverantwortung soll bestraft werden. Schliesslich: Muss die Politik – und da ist dem Kommentar zuzustimmen – wirklich immer einfach das umsetzen, was das Volk gerade schreit? Das wäre Populismus. Das Fazit des Beitrags ist wiederum korrekt: Wählen wir echt liberal denkende, junge FDPler ins unsere Parlamente."
