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Was hältst du vom Bedingungslosen Grundeinkommen?
„Hilfe, wir leben länger.“, sagt die AHV und krepiert.

Seit dem 1. Januar 1948 erfreuen sich die Schweizer der AHV. Der Grundsatz damals war, dass jene Pechvögel, die länger als der Durchschnitt leben, eine Rente für ihre letzten Lebensjahre erhalten. Seit dieser Zeit ist die durchschnittliche Lebenserwartung der Männer von 66.36 auf 77.22 (2003) und jene der Frauen von 70.85 auf 82.82 (2003) gestiegen.
Man muss kein Mathematiker sein, um ausrechnen zu können, dass diese zusätzlichen 10 Jahre AHV-Bezug das System defizitär machen.
Die AHV
Rhetorische Frage: Würden Sie einem Freund Geld leihen, der mehr ausgibt, als er verdient?
Warum tun Sie es dann?
Oder noch schlimmer, warum vertrauen Sie Ihr Geld einer defizitären Staatsinstitution an?
Einer was?
Richtig.
Ihre AHV-Beiträge begleichen Sie stets mit dem Vertrauen, dass Ihnen der Staat das Geld im Falle einer Pensionierung rückerstattet.
Sie vertrauen dem Staat aber gar nicht?
Völlig zu Recht.
Einfache Kausalkette
Evident beim letzten Abschnitt: Das Thema AHV wirft Fragen auf. Ist fragwürdig. Ist chaotisch. Und hat einen leicht strukturlosen Beigeschmack. Doch davon dürfen wir uns nicht ablenken lassen. Denn der Kern des Problems ist ebenso evident: Die AHV ist defizitär, weil wir länger im Ruhestand leben, als damals. Dieser demographische Wandel führt dazu, dass auf einen Rentner immer weniger Erwerbstätige kommen. Das wiederum bedeutet, dass immer mehr Personen AHV-Beiträge beziehen, während immer weniger Beiträge leisten. Und dies ist schlussendlich der Grund, warum die AHV in Zukunft immer mehr Schulden machen wird.
Irgendwie verständlich. Irgendwie logisch. Und irgendwie haarsträubend, dass so viele Politiker diese einfache Kausalkette nicht verstehen (wollen) und als Lösung chronisch vorschlagen, neue Steuern zu erheben, um die falsch strukturierte AHV zu retten.
Ideologie oder nicht Ideologie. Ist das die Frage?
Natürlich kann man die (griechische) Ideologie vertreten, dass der Mensch möglichst früh in Pension gehen soll. In diesem Falle will ich gar nicht streiten. Wer es richtig findet, als Erwerbstätiger immer mehr von seinem Lohn abzutreten, damit er dann möglichst lange als Rentner das Leben ausklingen lassen kann, der soll für diese Meinung kämpfen…
Doch ich sehe es anders. Ich glaube nicht, dass der Mensch fast ein Drittel seines Lebens mit Nichts tun verbringen kann und will – es wird ihm schlicht zu langweilig. Ebenso bezweifle ich, dass die Mehrheit der Bevölkerung steigende Lohnabzüge tolerieren wird und will – es wird ihr schlicht zu viel.
Und deshalb wage ich zu behaupten, dass die stetige (Quer-)Subventionierung der AHV nicht die Lösung für unser Land – für unsere Bevölkerung – ist.
Die Erbschaftssteuer wäre notwendig
Die Idee kommt eigentlich von der EVP, doch wahrgenommen wird das Ganze unter dem Label SP. Die Rede ist von der kürzlich lancierten Erbschaftssteuer-Initiative. Und obwohl nebst den genannten Protagonisten weitere Gegner bürgerlich-liberaler Ideologie die Initiative unterstützen, darf man für einmal einen Vorschlag aus diesem Lager nicht leichtfertig vom Tisch wischen.
Im Prinzip gut
Beginnen wir beim Kern der Initiative: Die Wiedereinführung der Erbschaftssteuer.
Unabhängig von der aktuellen Initiative kann und muss man sagen, dass es eine Schweiz ohne Erbschaftssteuer nicht mehr lange geben darf. Und zwar aus folgenden Gründen:
- Bei einer Erbschaftssteuer werden weder Arbeit noch Leistung besteuert. Würde man das Steuersystem nach heutig geltenden Normen neu erfinden, wäre die Erbschaftssteuer eine der ersten Steuern, die man erheben würde. Vor der Mehrwertsteuer. Vor der Vermögenssteuer. Und mit Sicherheit vor der Einkommenssteuer.
- Lieber Tote als Lebende besteuern. Ja das klingt ein wenig pietätlos. Und wahrscheinlich ist es das auch. Aber hauptsächlich ist es die Wahrheit. Wer lebt, hat Geld in der Regel nötiger, als wer sein Leben bereits gelebt hat. Natürlich muss als Umkehrschluss die Einkommenssteuer der Lebenden gesenkt werden.
- Ein Land steht und fällt mit dem Mittelstand.Die Reichen haben zu viel Geld, um es ausgeben zu können. Die Armen haben zu wenig Geld, um es ausgeben zu können. Beides schadet selbsterklärend dem Konsum und damit der Volkswirtschaft. Die Prosperität eines Landes hängt deshalb am Zipfel des Mittelstands. Die Erbschaftssteuer ist eine der wenigen Steuer, die dieser gefährdeten Spezies nicht ans letzte Geld will, sondern – richtig eingesetzt – den Mittelstand erheblich stützen (oder gar fördern) kann.
In der Umsetzung suboptimal
Mit der aktuellen Initiative geraten wir jedoch in die Kalamität, dass die Mittel dieser zu Recht erhobenen Steuer falsch verwendet werden würden. So sieht der Initiativtext vor, dass 2/3 der 3 Milliarden Franken in die falsch strukturierte AHV fliessen und das restliche Drittel den Kantonen zukommt. Um den Mittelstand effektiv zu entlasten, müsste die Steuerlast jedoch direkt dieser (noch lebenden) Gesellschaftsschicht gemindert werden. Und dies ist - entgegen der Proklamation des Initiativkomitees - nicht gegeben, wenn man den Grossteil des Geldes in eine Institution steckt, die nach heutiger Struktur nicht selbsttragend ist und laufend Verluste schreibt.
Es bleibt also nur zu hoffen, dass die Parlamentarier die AHV umstrukturiert haben, bevor die Erbschaftssteuer-Initiative vors Volk kommt. Ansonsten wird diese dringend notwendige Steuerreform leider keine Chance auf Annahme haben.
Leider.
Die trügerische Spitzenposition
Wie tut es der Seele gut, wenn die arg gebeutelte FDP in einer aktuellen Statistik an erster Stelle zu finden ist. Diese neue Umfrage (siehe Bild) besagt, dass 29% der Bevölkerung die FDP als kompetenteste Partei in wirtschaftlichen Fragen sehen. Deutlich dahinter steht die antikapitalistische SP auf Platz zwei. Dem kritischen Auge muss aber auffallen: Das Status Quo kann die FDP als selbst- und fremdernannte Wirtschaftspartei nicht zufrieden stimmen.
Wirtschaft ist das Steckenpferd der FDP
Kaum jemand würde bestreiten, dass das Steckenpferd der FDP hauptsächlich im wirtschaftspolitischen Bereich zu finden ist. Die Ansicht der Bevölkerung geht meist noch weiter und tendiert dazu, die FDP lediglich als Wirtschaftspartei zu sehen, die bei anderen Themen kaum eine eigene Meinung vertritt.
Nimmt man nun dieses plakative Gesellschaftsbild für die Interpretation der erwähnten Statistik hinzu, dann konstatiert man ernüchternd, dass 7 von 10 Personen der FDP Inkompetenz in ihrem Hauptgebiet unterstellen. Was in den Alltag umgemünzt in etwa dasselbe wäre, wie wenn nur jeder dritte Dorfbewohner dem Dorfmetzger zutraut, der beste Metzger im Dorf zu sein.
Die Relativierung beruhigt nicht…
Natürlich wäre es jeglicher Realität fern, von der FDP in dieser Statistik nahezu 100% zu erwarten. Zum Beispiel wären jene 17% der SP nie zu gewinnen, da diese Leute an die antikapitalistische Ideologie des Kommunismus glauben. Diese Gruppe vom freien Markt zu überzeugen ist nicht Aufgabe der FDP, sondern der Bildung.
Auffallend ist jedoch, dass 28% - also ebenfalls ein Drittel der Bevölkerung - keine Hoffnung in die Politik haben. Und dass insbesondere die Partei mit der höchsten Wirtschaftskompetenz diese Gruppe enttäuscht hat, liegt auf der Hand. Doch die FDP kann dies (wieder) ändern. Insbesondere im momentanen politischen Klima.
…doch die Lage ist aussichtsreich
Denn - ohne an dieser Stelle pietätlos zu werden - die Situation könnte für die FDP kaum besser sein. Die dramatische Schuldenlage vieler Staaten auf der Welt hat die Katastrophe in Japan aus dem Fokus der Bevölkerung gedrängt und schon lange nicht mehr war man in der Schweiz empfänglicher für die Anliegen der FDP: Weniger Schulden, weniger Steuern und mehr Geld für den Mittelstand. Aus FDP-Sicht muss man wahrlich dankbar für die letzten Tage sein, da das bis anhin kaum beachtete Thema „Wirtschaft“ nun das erlebt, was der Welt abgeht: Hochkonjunktur.
Was aber (noch) fehlt – und das zeigt die Umfrage deutlich – ist, dass eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung dieses dringende Thema mit einer kompetenten FDP verbindet.
Wahlstrategie muss nun gründlich überdacht werden!
Diese positiv konnotierte Assoziation gelingt nur, wenn eine Mehrheit der Bevölkerung die FDP in Wirtschaftsfragen in einer ähnlichen Rolle sieht, wie die SVP beim Thema Migration – als einzige Partei, die die unangenehmen Probleme anzusprechen und zu lösen wagt. Dafür muss die FDP jedoch die Wahlstrategie vom Januar gründlich hinterfragen.
Ist es (noch) erfolgsversprechend, die Bürokratieinitiative als Zugspferd vor den Wahlwagen zu spannen, obwohl die Bevölkerung diese Thematik als wenig bedeutend wahrnimmt?
Ist es (noch) erfolgsversprechend, mit trockenen und einfallslosen „XY – aus Liebe zur Schweiz“ Plakaten die Gegend zuzukleistern?
Ist es (noch) erfolgsversprechend, auf allen Kommunikationskanälen auf Emotionen zu verzichten?
Oder muss man - rhetorisch gefragt - nun eher ganz auf die Karte Schuldenkrise setzen und der Bevölkerung mit vorbildlicher Kommunikation aufzeigen, dass das Problem „Wirtschaft“ nicht nur dringend ist, sondern auch nur von der FDP adäquat gelöst wird?
Replik auf den Gastbeitrag "liberale Abzocker"

Ich danke für die kritische Analyse des anonymen Politikbeobachters im Beitrag "liberale Abzocker" und versuche diese an dieser Stelle mit einer Replik gebührend zu würdigen:
Die Abhandlung dessen, warum das liberale Gedankengut im Moment in der Bevölkerung derart in Missgunst geraten ist, ist meiner Meinung nach bereits sehr ausgereift. Dennoch muss man auch einige Punkte dagegenhaltend ergänzen:
Grundsätzlich gilt:
Eine Boniregelung steht nicht diametral zu einer liberalen Ideologie. Boni sind lediglich variable Lohnvergütungen und werden grundsätzlich wie fixe Löhne vom Markt bestimmt. Wo der Arbeitsmarkt funktioniert, sind solche Vergütungen unter liberalen Prinzipien legitim. Wenn die Arbeit eines Managers auf dem Arbeitsmarkt ein Vielfaches von anderen Arbeitsleistungen wert ist, dann muss man dies so akzeptieren und/oder die gleiche Arbeit anbieten. Geht man also von einem funktionierenden Markt aus, ist die momentane Vergütungsdebatte eine Polemik, die von Neid und Missgunst getrieben ist. Als Gesellschaft, die von der Suboptimalität des Kommunismus‘ gelernt hat, haben wir in diesem Falle keinen Grund, das Leistungsprinzip und die Grundsätze der Eigenverantwortung über Bord zu werfen.
Praxis vs. Theorie
Unabhängig von der Höhe der Vergütungen muss man nun aber deren marktwirtschaftliche Legitimation hinterfragen. Kann der Verwaltungsrat also zum Beispiel den eigenen Lohn eigenhändig festlegen, dann widerspricht dies dem Prinzip des freien Marktes. Diese Problematik besteht zurzeit faktisch und muss deshalb korrigiert werden. Hauptansatzpunkt hier ist die Stärkung der Aktionärsrechte. Da die Aktionäre die Eigentümer der Unternehmung sind, soll ihnen grundsätzlich auch das volle (faktische) Recht zukommen, über die Vergütung der Belegschaft abzustimmen.
Der Sonderfall der systemrelevanten Unternehmen
Natürlich haben wir nun bei der UBS das Problem, dass das Unternehmen aufgrund ihres Umsatzes und ihrer Funktion als Finanzintermediär für die Schweizer Volkswirtschaft existenziell ist. In solchen Fällen muss der Staat im Sinne eines Nachwächters für (volks-)wirtschaftliche Sicherheit sorgen. Ob die Eigenkapitalerhöhung hierfür ein adäquates Mittel ist, bezweifle ich allerdings. Die Aktionäre sind nämlich kaum bereit ihr Geld für weniger Rendite anzulegen. Somit muss die Bank mit weniger Fremdmitteln gleich viel Rendite erwirtschaften, was wiederum nur durch höhere Risiken möglich ist. Eine Eigenkapitalerhöhungsregelung könnte somit in Anbetracht der ursprünglichen Absichten ein Schuss in den Ofen werden.
Andere Ansätze wie eine Bonussteuer, Bonuszahlungen, die den (Investment-) Banker zu nachhaltigerer Gewinnerwirtschaftung verleiten oder Holdingstrukturen, setzen deshalb eher am richtigen Punkt an.
Die Rolle der FDP in dieser Polemik
Generell stellt sich die Frage: Soll in einer Demokratie die Politik jeweils einhellig das umsetzen, was die Bevölkerung am lautesten fordert, oder besteht nicht eher die Notwendigkeit, dass die Volksvertreter komplexe Probleme kritisch analysieren, um umfassendere und für das gesellschaftliche Wohl „bessere“ Lösungen zu finden?
In unserem Fall müssten wir uns also fragen, ob die Politik das laute Gebrüll der Bevölkerung schnellstmöglich erhören soll, oder ob die Abgeordneten der Bevölkerung in Ruhe an einer problemorientierten Lösung arbeiten sollen. Letzteres versucht die FDP, indem sie das wahre Problem - hier die Systemrelevanz weniger Unternehmen - gezielt zu lösen versucht. Dass sie dabei in Zeiten der Boni-Hysterie in einer breiten Bevölkerungsschicht nicht gerade gut dasteht, versteht sich von selbst. Trotzdem bin ich froh, dass es noch Parteien gibt, die den Mut haben, Wege zu gehen und Entscheidungen zu treffen, die die Bevölkerung NOCH nicht versteht. Dies ist wahrer Freisinn – wenn auch für die FDP per se leider womöglich nicht der erfolgreichste.
Zum Abschluss ebenfalls eine Replik von Michael Kummer, Vorstand FDP St.Gallen:
"Der Beitrag enthält zwar durchaus gute und wahre Elemente. Trotzdem verlangt er nach einigen Anmerkungen. Vorweg: Es waren nicht primär die Banken, die dem Bild der FDP geschadet haben, sondern der Niedergang der Swissair. Die Banken haben nicht nur mit “immer waghalsigeren Geschäften” ungeheure Gewinne gemacht, sondern auch mit Geschäften, an denen in keiner Hinsicht etwas auszusetzen ist. Die Banken haben diese „ungeheuren Gewinne“ nicht nur „grosszügig an ihre Chefs“ weitergegeben. Es ist bekannt, dass Bankangestellte generell gut bezahlt sind, also ebenfalls von den Gewinnen profitieren durften. Sicherlich haben auch die Anleger profitiert. Auch die Aktionäre, die ihr Kapital zur Verfügung gestellt haben, durften profitieren. Schliesslich sind „ungeheure Gewinne“ immer auch mit „ungeheuren Steuern“ verbunden. Die Banken haben also auch grosse Steuersummen abgeliefert. Und davon hat jeder Steuerzahler profitiert. Nicht nur derjenige, der bei einer dieser Grossbanken sein Geld als Sparer angelegt oder als Aktionär investiert hat, durfte also profitieren, sondern jeder Steuerzahler, auch wenn er mit der Bank überhaupt nichts zu tun hatte. Das Bild, dass nur ein paar wenige Chefs diese „ungeheuren Gewinne“ abgesahnt haben, kann so nicht stehen gelassen werden. Richtig, es läuft dem liberalen Gedankengut grundsätzlich diametral entgegen, wenn der Staat ein Unternehmen retten muss. Nur, was wären die Folgen, hätte der Staat die Rettung unterlassen? Vielleicht hat der Staat als Regulator versagt? ;) Der Satz, Gewinne werden privatisiert, Verluste kollektiviert, muss insofern relativ betrachtet werden, als man sich die Frage stellen muss, wie hoch die (volkswirtschaftlichen) Verluste gewesen wären, hätte der Staat nicht eingegriffen. Vielleicht wären dann mittel- und langfristig die kollektivierten Verluste noch höher gewesen. Der Staat muss immer Vor- und Nachteile aller verfügbaren Möglichkeiten abwägen. Die Minder-Abzockerinitiative ist fehl am Platz. Auch das widerstrebt liberalem Gedankengut. Die geplante Too-big-to-fail-Regulierung ist zwar ein guter Ansatz und vermag wohl grössere Katastrophen künftig zu vermeiden, zumindest deutlich abzuschwächen. Aber sind neue Regulierungen liberal? Was also tun, wenn offenbar immer ein Faktor besteht, der nicht liberal ist. Die FDP steht nicht nur für Liberalismus, sondern auch für Eigenverantwortung. An dieser fehlte es gewissen Bankern offenbar. Im Beitrag wird gefolgert, wenn liberal heisse, auf Teufel komm raus in die eigene Tasche zu wirtschaften, dann dürfe man nicht mehr liberal wählen. Diese Schlussfolgerung kann so nicht gezogen werden. Liberal ist, wenn man den Unternehmen, auch den Banken, die grösstmögliche Freiheit lässt, ihnen also nicht vorschreibt, wie hoch die Löhne und Boni sein dürfen. Die Unternehmen sollen in Eigenverantwortung handeln. Nicht liberal ist, über zu hohe Boni zu schimpfen, gleichzeitig aber die Steuergelder entgegenzunehmen. Auch nicht liberal ist, dass der Staat ein Unternehmen rettet. Aber: Der Staat muss die Rahmenbedingungen für eine funktionierende Marktwirtschaft schaffen. Er muss dafür sorgen, dass solche Katastrophen bei systemrelevanten Banken nicht geschehen können. Hier ist der geplante TBTF-Ansatz mit dem Swiss-Finish kein schlechter Ansatz. Es fehlte offenbar an Eigenverantwortung bei gewissen Bankern. Trotzdem soll der Staat nicht Entschädigungen vorschreiben oder begrenzen, aber er soll sich selbst schützen, indem er Konsequenzen für gewisse (verantwortungslosen)Verhaltenswiesen bzw. Situationen, die dadurch entstehen, aufzeigt, wie es die TBTF-Regelung vorsieht. Es erscheint mir liberaler, dem Unternehmen seine Freiheit zu lassen, es aber zu bestrafen, wenn es unverantwortlich handelt. Nicht die hohen Boni selbst haben zur Krise geführt, die Ursache ist etwas komplexer. Tatsächlich muss man vielleicht Seilschaften kappen. Letztlich muss man aber doch bei den Grundwerten bleiben. Liberalismus ist die maximale Abwesenheit staatlicher Regulierungen. Von Entlöhnungsvorschriften ist deshalb abzusehen. Aber: Fehlende Eigenverantwortung soll bestraft werden. Schliesslich: Muss die Politik – und da ist dem Kommentar zuzustimmen – wirklich immer einfach das umsetzen, was das Volk gerade schreit? Das wäre Populismus. Das Fazit des Beitrags ist wiederum korrekt: Wählen wir echt liberal denkende, junge FDPler ins unsere Parlamente."
St.Gallen stinkt zum Himmel
Als mietezahlender Mieter im Heiligkreuzquartier stösst mir seit meinem Zuzug nach St.Gallen der unappetitliche Duft der herumliegenden Abfallsäcke buchstäblich sauer auf. Und da nicht nur bei uns im Heiligkreuz, sondern in einer weiten Peripherie die Abfallsäcke wöchentlich vor die Tür gestellt werden müssen, wird dieser beinahe italienische Zustand Woche für Woche vielerorts wiederholt.
Natürlich bekenne ich mich schuldig, ein Ordnungsfanatiker zu sein.
Bekenne ich mich schuldig, dass mich das Bild der vielen Abfallsäcke am Strassenrand stört.
Bekenne ich mich schuldig, dass mich der Gestank in meiner Wohnung stört, den der volle Abfallsack liebevoll von sich gibt, in freudigster Erwartung, endlich am Donnerstag von mir vor die Tür gestellt zu werden.
Bekenne ich mich schuldig, dass mich der Zwang stört, jeden Donnerstagmorgen (oder allerfrühstens mittwochs spät in der Nacht), den Abfallsack vier Stockwerke tiefer auf die Strasse zu stellen, um danach vier Stockwerke weiter oben wieder erschöpft ins Bett zu fallen (ja ich bin ein Student).
Bekenne ich mich schuldig, dass mich die Ignoranz und Untätigkeit der Verwaltung stört.
Und doch. Selbst wenn ich folgendes nicht ganz altruistisch postuliere, so glaube ich dennoch für die Mehrheit der Betroffenen zu sprechen (All jenen, die den Gestank, den Zwang und das vermüllte Strassenbild lieb(t)en, sei an dieser Stelle um Verzeihung gebeten).
Denn die Wahrheit ist: St.Gallen braucht mehr Müllcontainer!
1. Müllcontainer sind günstiger! Die Anschaffung von Müllcontainer kostet weniger, als wöchentlich von Füchsen und anderen Viechern (oder auch Menschen?) zerrissene Müllsäcke aufzuräumen.
2. Die Müllsammlung ist schneller! Nur schnell den Müllcontainer am Vehikel einmal ansetzen - das geht schneller, als jeden Sack einzeln in die Müllabfuhr zu werfen (Ist zudem noch günstiger. Aber den Kostenpunkt hatten wir ja schon. Und da Redundanz Müll ist, erwähne ich diesen Punkt kein zweites Mal. Dies ist mein Beitrag zur Müllproblematik).
3. Die Bevölkerung erfreut sich der Flexibilität! Wer selbst wählen kann, wann er seinen Abfallsack entsorgt, ist freier, zwangsloser, glücklicher, zufriedener… entschuldigen Sie die Redundanz. Wahr ist es trotzdem. Und dieser Punkt gefällt mir spontan deshalb so gut, weil selbst die zwangsneurotischen unter uns immer noch zur gewohnten Zeit aus dem Haus pilgern und den Abfall entsorgen können. Flexibilität sein Dank.
4. Weniger Gestank! Wir vertreiben den Gestank. Raus aus der Wohnung; rein in den Müllcontainer (dort ist der Duft ja fast hermetisch eingedämmt). Ich würde mich im Falle einer Umsetzung persönlich bei jedem entschuldigen, der dafür in einem stinkenden Müllcontainer hausen müsste – und zusätzlich Miete verlangen, denn ohne Müllcontainer, gibt es keine zum Hausen zur Verfügung stehenden Müllcontainer.
5. Schöneres Landschaftsbild! Fünf Gründe machen einfach einen besseren Eindruck als vier. Genauso macht eine Strasse ohne Abfallsäcke ein besseres Bild als mit. So einfach ist das manchmal.
Wofür man Wahlzettel alles gebrauchen kann
Weniger als die Hälfte aller Bürger nimmt sich die Mühe, die Politik beeinflussenden Wahlzettel auszufüllen und fachgerecht zu verwenden. Bei den Jungen sieht die Quote noch düsterer aus. Kaum ein Drittel bürgt sich noch die Verantwortung auf, ein aktiver Teil der Demokratie zu sein. Gründe dafür brauchen wir nicht lange zu suchen: Politik ist zu trocken, zu langweilig und sowieso – einfach bääh.
Um das Interesse an der Politik neu zu entfachen, habe ich eine Liste erstellt, wie Wahlzettel alternativ verwendet werden können. Da diese Liste noch nicht komplett ist, würde ich mich freuen, die eine oder andere Ergänzung in den Kommentaren lesen zu dürfen.
1. Die Aktienmärkte spielen verrückt und Rendite macht man zurzeit ohnehin nur, wenn man hohes Risiko eingeht. Warum also nicht seinen Wahlzettel gegen eine Staatsanleihe aus Griechenland tauschen? Natürlich ganz im Sinne von High Risk - High Reward.
2. Als Student kennt man sicher das Vergnügen des Bulimielernens. Wenn man also ohnehin gerade dabei ist, unsinnige Sachen, die man nicht versteht, auswendig zu lernen, dann kann man sich doch auch aus Spass all die Namen auf den Listen merken.
3. Jeder kennt diese klischeehaften Hollywood Verabschiedungen, bei denen die Zurückgebliebenen mit einem Taschentusch hinterher winken. „Tempo“ würde wohl das Gegenteil behaupten, doch ich bin mir sicher, dass dies mit den unsrigen Taschentüchern nicht möglich ist. Zum Glück gibt es einen Wahlzettel.
4. Wenn wir schon dabei sind. Wie oft muss man einen Passanten fragen, ob er ein Taschentuch hat, um schlussendlich doch mit einer laufenden Nase und einem weglaufenden Passanten im Regen stehen gelassen zu werden? Sehr oft. Und schon wieder gibt es nur einen Retter: Den Wahlzettel.
5. Wer spekuliert nicht gerne mit Devisen? Insbesondere sein Urlaubsgeld will man – auch wenn es noch so wenig ist – möglichst optimal umtauschen. Dies wird in Zukunft nicht mehr nötig sein. Ein Wahlzettel trägt in etwa den Wert des Dollars. Natürlich müssen beim momentan schwachen Dollar marginale Abstriche gemacht werden.
6. Punkt Nummer fünf gilt bald auch für den Euro.
7. Seit Jahren erfreut sich der Push-Up BH einer immensen Beliebtheit. Wohl nicht mehr lange – denn auch hier kann der Wahlzettel in die Presche springen.
8. Punkt Nummer sieben kann man für das männliche Geschlecht analog verwenden.
9. Viele Facebook Junkies kommen langsam in die Bredouille, weil ihnen die Ideen für miserable und langweilige Statusmeldungen ausgehen. Denen sei gesagt: Einfach Wahlzettel an eine Wand heften, einen Dartpfeil 120x auf den Zettel werfen und die dabei getroffenen 120 Buchstaben aneinandergereiht auf der Plattform posten.
10. Viele haben heutzutage die Kalamität, dass in den Discos bereits 12-jährige mit der eigenen Kreditkarte diese beliebten weissen Linien präparieren. Mit dem Wahlzettel hat man nun endlich wieder etwas, um sich von diesem Gesindel abzuheben.
11. Wenn wir schon beim Thema Disco sind. Es soll noch Leute mit einem Gehör geben, die die dort abgespielte Musik als zu laut empfinden. Meist liegt dies am Teufelskreis, dass solche Menschen selten in einen Club gehen und wenn sie dann mal gehen, dann bleiben diese eben aufgrund der zu lauten Musik nicht lange. Mit dem Wahlzettel ist diese Spezies endlich für einen Discoausflug gerüstet.
12. Wer erinnert sich nicht an die Jugend, als man noch Liebesbriefe mit den prägnanten Worten „Willst du mit mir gehen? Kreuze an: Ja, Nein, Vielleicht.“ erhielt? Über die Jahre hinweg fand man keine Lösung, wie man solche Liebesbriefe an die multiopportunitätsorientierte Gesellschaft anpassen kann. Nun gibt es den Wahlzettel und der Empfänger kann aus meist zwölf potentiellen Kandidaten auswählen.
13. Sich von einem Partner trennen ist emotional jeweils ein Husarenritt. Auch kostet je nach Anbieter eine solche Trennung zwischen 15 und 20 Rappen (wenn man keine Flatrate auf Kurznachrichten hat). Das geht nun günstiger und einfacher: Wird der Partner in flagranti erwischt, wie er den Wahlzettel der Sozialdemokraten ausfüllt, dann lässt sich leicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einfach Wahlzettel zerreissen und schon ist man Partner und eine falsch eingesetzte Stimme los.
14. Frisch in Mode ist das Anklagen von berühmten Persönlichkeiten. Oftmals weiss man aber nicht, wer denn überhaupt im Moment berühmt ist. Der Wahlzettel verschafft hier Hilfe: Einfach die Liste abklappern, nach Lust und Laune jemanden wegen Vergewaltigung anzeigen und schon geht man mit der Zeit.
15. Auch die Atomkraftwerksproblematik ist mit den Wahlzetteln einfach zu lösen: Jedes Leck wird einfach mit einem Zettel zugeklebt. Bei grösseren Rissen nimmt man halt zwei.
16. Am meisten Mühe bereitet den Schülern bekanntlich das Spicken. Die Lehrer sind leider nicht mehr so naiv wie früher und kennen jeden Trick. Dank der Bundesverfassung (insbesondere Art. 34) ist der Wahlzettel ein perfekter Spicker.
17. Jeder kennt das Spiel, bei dem man sich einen Zettel an die Stirne klebt und mit Hilfe verschiedenster Fragen herausfinden muss, welcher Namen auf dem Stück Papier steht. Wird dieser gewöhnliche Papierfetzen mit dem Wahlzettel substituiert, multipliziert dies den Spass ins Unermessliche.
18. Eine ganz verrückte Idee möchte ich zu guter Letzt proklamieren. Minderjährige seien an dieser Stelle gebeten weiterzulesen (umgekehrte Psychologie). Man könnte auch – und hier bitte ich um Trommelwirbel – den Wahlzettel der Jungfreisinnigen St.Gallen am 23. Oktober in die Urne legen.
Natürlich entschuldige ich mich postwendend für diese Provokation. Viele disruptiven Ideen – wie zum Beispiel dem Hirngespinst „die Welt ist rund“ – brauchen meist Zeit, bis die Gesellschaft soweit ist, deren Sinn zu verstehen.
Da aber bekanntlich jeder frei ist, darf ich zum Glück mit meinem Wahlzettel machen, was ich will - und deshalb bleibe ich bei Variante 18. Wer auch?
Die FDP ist zu wenig schwul
Gabi Huber, Fraktionspräsidentin der FDP, hat kürzlich in der „Arena“ stellvertretend für die Partei eine Nein-Parole postuliert. Dieses Nein galt dort aber nicht etwa dem EU-Beitritt oder der Abzocker-Initiative, sondern der Grundsatzfrage, ob Homosexuelle Kinder adoptieren dürfen. Diese Position ist mit einer liberalen Ideologie in keiner Weise vereinbar.
Gegner einer solchen Adoption versuchen nicht nur auf emotionaler Ebene zu argumentieren. So werden der Monogeschlechtereinfluss in der Erziehung oder die Gefahr des Mobbings in der Schule als mögliche Sachverhalte dargelegt, die gegen die Bewilligung der Adoption sprechen sollen. Da diese Beweggründe jedoch empirisch weder belegt noch widerlegt sind, prägt doch hauptsächlich die konservative Angst vor Ungewohntem die Argumentationsstruktur der Gegner.
Die FDP manövriert sich durch die von Gabi Huber aufgedrängte Position in die Kalamität, dass sie die gleiche Meinung vertritt, wie die momentane konservative Mehrheit. Damit droht der FDP, als (selbsternannte) liberalste Partei der Schweiz, ein grosses Glaubwürdigkeitsproblem. Spätestens dann, wenn andere Parteien den Erfolg eines gelungenen liberalen Wandels für sich beanspruchen werden, wird es für die FDP wieder starke Kritik hageln.
Dass der Wandel kommen wird, ist nur eine Frage der Zeit. Die Bevölkerung – insbesondere die jüngere Generation – lebt bereits mit einem grossen Selbstverständnis für die Homosexuellen. Zudem werden liberale Argumente länger wie mehr für eine Mehrheit zur Prämisse. Warum sollte ein homosexuelles Paar schlechter Kinder erziehen können als Heterosexuelle? Auch dort gibt es schwarze Schafe, denen man theoretisch nie ein Kind zumuten dürfte. Warum glaubt man, dass Kinder mit homosexuellen Eltern gemobbt werden, wenn bereits heutzutage schwule Schüler nicht selten zu den Beliebtesten der Klasse gehören? Warum sollte die Entscheidung zur Adoption nicht der Eigenverantwortung der werdenden Eltern überlassen werden, die dem heimatlosen Kind ein Zuhause schenken?
Die FDP, die bereits stark dafür kämpfen muss, dass sie nebst der Wirtschaft auch in anderen Themenbereichen als freisinnig gilt und wahrgenommen wird, muss sich lieber heute als morgen überlegen, ob sie noch bedingungslos als liberalste Partei für die Eigenverantwortung des Bürgers einstehen will und kann. Als Mitglied und Sympathisant der FDP hoffe ich natürlich darauf.
Schweizer Hommage an den Kommunismus
Wie verächtlich schauen wir doch in den Osten, der zum Teil noch Überreste des Kommunismus' aufweist. Wie verhöhnen wir doch all die Völker und Länder, die das ineffiziente System der Planwirtschaft noch nicht gänzlich ad Acta gelegt haben. Wie töricht von uns, im Glashaus mit Steinen zu werfen.

Eigenverantwortung des Bürgers - dies gilt auch für den Bauer
Warum man diese Eigenverantwortung von den Bauern nicht verlangt, scheint mir paradox. Muss der Bauer nicht auch im Zuge des gesellschaftlichen Wandels abwägen, wie und ob er der heutigen Gesellschaft helfen kann? Muss der Bauer nicht auch nach Möglichkeiten suchen, sich zu verbessern und so seine Existenz zu sichern? Anscheinend muss er es nicht. Heureka Subventionen.
Was bezahlen Sie für Nächstenliebe?
Weniger ist mehr

Seine Stimme für einen Jungen verschwenden?
Jungpolitiker haben diese Bürde nicht und vertreten deshalb nur sich selbst. Wählt man einen Jungen, wählt man noch das, was man wählen will und nicht das determinierende Netzwerk hinter einer fassadenhaften Persönlichkeit.
